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Erstellungsdatum: 28. August 2017, 13:22 Uhr


Bearbeiter: Edith Köchl

Jan III. Sobieski

 

Ein polnischer König in Wien

 

 

 

Ausstellung in den Prunkräumen des Winterpalais in der Wiener Himmelpfortgasse  bis 1. November 2017.....

 

Der polnische König Jan III. Sobieski (1629–1696) ist untrennbar mit der Geschichte Wiens verbunden. Als Oberbefehlshaber des vereinten Entsatzheeres befreite er 1683 die Stadt aus der mehrwöchigen Belagerung durch die Osmanen. Mit diesem Sieg sicherte er sich einen Platz in der Weltgeschichte und im kollektiven Gedächtnis der Österreicher.

 

Die gemeinsam mit den vier bedeutenden polnischen Residenzen entwickelte Ausstellung im Winterpalais des Prinzen Eugen bietet nun erstmals im deutschsprachigen Raum die Möglichkeit, den Monarchen als Privatperson, sowie sein Wirken als Staatsmann, Feldherr und Mäzen der Künste und der Wissenschaften näher kennen zu lernen.

In den Prunkräumen des Winterpalais spüren Kuratorin Maike Hohn (Belvedere) und Kurator Konrad Pyzel (Museum Schloss Wilanów) dem Leben und Wirken Jan III. Sobieskis nach:

 

 

 

Anhand von knapp 100 Gemälden, Preziosen, kunstgewerblichen Objekten, Militaria und Memorabilien wird dem Besucher ein umfassendes und lebendiges Bild des polnischen Königs und seiner Zeit vermittelt.

 

 Giacomo Herman, Römischer Kabinettschrank Jans III., um 1669/75 /Krakau, Kloster des Ordens der Minderen Brüder Kapuziner Foto: Agnieszka Indyk (Nadel-, Pappel-, Ebenholz, Marmor, Lapislazuli, Stuck, Gouache auf Pergament, Kupfer, Messing)  © Muzeum Pałacu Króla Jana III w Wilanowie,


 

„Die Ausstellung Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien gibt die Möglichkeit, diese bedeutende Persönlichkeit des europäischen Barock als Herrscher, Kriegsheld und Mensch kennenzulernen. Die facettenreiche Darstellung verdankt sich einer außergewöhnlich umfassenden österreichisch - Polnischen Zusammenarbeit", betont Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere.
Sobieskis Herkunft und sein Weg zum Thron als gewählter polnischer König werden im ersten Abschnitt der Ausstellung behandelt. Es waren vor allem seine Fähigkeiten und Erfolge als Feldherr, die ihm die polnische Krone eintrugen. Bereits im Alter von 20 Jahren stand Sobieski zum ersten Mal auf dem Schlachtfeld. Der Sieg der polnisch-litauischen Armee bei Chocim (Chotyn) 1673 über die osmanischen Truppen und der gleichzeitige Tod des amtierenden Königs begünstigten seine Wahl zum König durch den polnischen Adel im Jahr 1674.

 

Kulturell war Sobieskis Umfeld vom Sarmatismus geprägt–einer allumfassenden Weltanschauung des polnischen Adels, der seine Herkunft genealogisch auf das antike Volk der Sarmaten zurückführte. Diese Geisteshaltung fand ihren augenfälligsten Ausdruck in der Bekleidung, die an orientalischen Kostümen angelehnt war.


 

 

Sobieskis Rolle als Mäzen der Künste ist eine weitere Sektion gewidmet.

 

 Jerzy Eleuter Szymonowicz-Siemiginowski, Porträt der Königin Marie Casimire mit Kindern, um 1684 /Warschau, Museum Schloss Wilanów, Foto: © Wojciech Holnicki

 

 

„Der Monarch beauftragte talentierte Künstler, die später an verschiedenen europäischen Herrscherhöfen Anstellung finden sollten. Unter ihnen findet sich auch Martino Altomonte, der nach seiner Tätigkeit als Schlachtenmaler und Porträtist für Sobieski nach Wien kam, um für Prinz Eugen die Freskenmalereien im Unteren Belvedere auszuführen. Überhaupt wäre die österreichische Malerei des Hochbarock ohne Altomonte nicht zu denken",so Maike Hohn, Kuratorin der Ausstellung. Weitere wichtige Künstlerpersönlichkeiten, die auch mit der Ausstattung der königlichen Residenz Schloss Wilanów beauftragt wurden, sind Jerzy Eleuter Szymonowicz-Siemiginowski und Jan Reisner. Sie sind ebenfalls mit Werken in der Ausstellung vertreten.

 

Der einst vor den Toren von Warschau gelegene Wilanów-Palast kann als Herzstück Sobieskis mäzenatischer Tätigkeit bezeichnet werden. Mit der architektonischen Umsetzung des Ausbaus von einem einfachen Landhaus zu einer barocken Königsresidenz wurde Vincenzo Agostino Locci beauftragt. Die Ausstellung zeigt bedeutende Ansichten der Schlossanlage von Bernardo Bellotto, die eigens zu diesem Zweck ihren fixen Platz im Canaletto-Saal des Warschauer Königsschlosses verlassen haben.

 

 


Porträt Jans III. zu Pferd, um 1704 / © Warschau, Königsschloss – Museum

 

Sobieski förderte  jedoch nicht nur die bildenden Künste, er zeigte sich auch an Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung interessiert und unterstützte Gelehrte wie den Danziger Astronomen Johannes Hevelius, von dessen  wissenschaftlicher Arbeit die Ausstellung einen Eindruck gibt. „Hevelius erhielt von Sobieski ein jährliches Gehalt. Für die Tätigkeit in seinen Brauereien erteilte ihm der polnische König eine Steuerbefreiung. Überdies stellte Sobieski für den brandbedingten Wiederaufbau und die neuerliche Ausstattung von dessen Werkstatt entsprechende Geldmittel bereit", so Konrad Pyzel, Kurator der Ausstellung.

 

Ein weiterer Abschnitt der Ausstellung widmet sich Sobieskis Rolle als Ehemann und Vater. Bis heute erhaltene Briefe an seine Frau Marie Casimire, bezeugen seine innige Zuneigung und Wert-schätzung seiner Gattin und die politische Zusammenarbeit des königlichen Paares. Eine kleine Auswahl der Briefe ist – zum Teil erstmals in deutscher und englischer Übersetzung – digital einzusehen. Familienporträts zeigen das Herrscherpaar und ihre Kinder, die entgegen den damaligen Usancen in engem Kontakt mit den Eltern am Hof aufwuchsen.

 

Ein eigenes Kapitel der Ausstellung befasst sich mit der Schlacht bei Wien. Bevor Sobieski die alliierten Truppen, bestehend aus kaiserlichen Kontingenten, Hilfstruppen aus dem Heiligen
Römischen Reich sowie der polnischen Kronarmee, als Oberbefehlshaber zum Sieg gegen die Osmanen führte, schloss er ein Bündnis mit Kaiser Leopold I. Dieser für die österreichisch-polnische Geschichte bedeutende Vertragstext wurde anlässlich der Ausstellung vollständig übersetzt. Die Exponate zeigen zentrale Protagonisten des Entsatzes auf kaiserlicher wie auf polnischer Seite. Den Schlusspunkt der Sektion bilden Objekte rund um die Heilige Liga und den Frieden von Karlowitz im Jahr 1699.

Der vorletzte Abschnitt der Ausstellung beleuchtet Sobieskis Rückkehr aus Wien mit königlichen Trophäen und kostbaren Textilien, die er teilweise als Votivgaben Kirchen und Klöstern in Polen stiftete.


Schließlich geht die Ausstellung auf den Ruhm ein, der dem polnischen König unmittelbar nach dem erfolgreichen Entsatz von Wien zuteilwurde. Ein Beispiel für die Anerkennung, auch fernab der großen europäischen Herrscherhöfe, bildet das Denkmalprojekt für die Kathedrale von Le Puy-en-Velay. Auf Betreiben des Bischofs sollten in mehreren Kirchen der französischen Auvergne Monumente für Sobieski errichtet werden. Die Skulpturen in der Ausstellung sind Teile eines Denkmals, das letztlich jedoch nicht aufgestellt wurde.


„Die Ausstellung versammelt zentrale Werke zur Person, die auch als Momentum Sobescianum bezeichnet werden. Ausstellung und Ausstellungsort ergänzen sich dabei kongenial. Prinz Eugen von Savoyen, der Bauherr des Winterpalais, dürfte König Sobieski während der Entsatzschlacht um Wien 1683 kennen gelernt haben", so Paweł Jaskanis, Direktor des Museum Schloss Wilanów.

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Belvedere und den vier bedeutenden polnischen Residenzen: Museum Schloss Wilanow, Königschloss und das Königliche  Łazienki Museum in Warschau sowie das Königsschloss auf dem Wawel in Krakau.

Ausstellungskatalog: „Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien"
Herausgeber: Paweł Jaskanis, Stella Rollig
280 Seiten, 23,5 x 28,5 cm / ISBN 978-3-903114-34-0 (Deutsch), ISBN 978-3-
903114-35-7 (Polnisch)
Preis: € 38,--


Die Ausstellung „Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien" ist bis 1.November 2017 im Winterpalais, Himmelpfortgasse 8, 1010 Wien, zu sehen.


    
Und es ist leider auch die letzte Ausstellung in den Prunkräumen Prinz Eugens – wenn nicht noch ein WUNDER geschieht!!!!



www.belvedere.at


Henri Gascar, Porträt der Familie von Jan III. Sobieski, 1691/ Krakau, Königsschloss auf dem Wawel, © Zamek Królewski na Wawelu, Foto: Łukasz Schuster

Ausstellungsansicht „Jan III. Sobieski. Ein polnischer König in Wien"
Foto: Sandro Zanzinger © Belvedere, Wien
Foto: Johannes Stoll © Belvedere, Wien



 

 

 





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