Programm Neujahrskonzert 2012
Zum zweiten Mal nach 2006 wird Mariss Jansons am 1. Jänner 2012 für das Neujahrskonzert am Pult der Wiener Philharmoniker stehen. Mit dieser Einladung wird das bevorstehende zwanzigjährige Jubiläum – das erste gemeinsamen Konzert fand im April 1992 statt – dieser musikalischen Liebesbeziehung (o. Ton Clemens Hellsberg ) gefeiert. Mariss Jansons fühlt sich sehr geehrt, „diese unglaublich schöne Musik mit diesem phantastischen Orchester aus diesem wunderbaren Saal in die Welt hinaustragen zu dürfen“.

Den ersten Teil des Neujahrskonzerts 2012 bestimmen zwei friedliche Wettkämpfe, ein musikalischer und ein sportlicher.
Johann Strauß gegen Carl Michael Ziehrer, das war das Thema des ersten Balls im neuen Wiener Rathaus am 12. Februar 1890. Beide schrieben für dieses Ereignis einen Walzer. In seinen Rathaus-Ball-Tänzen verband Johann Strauß die „heimliche“ und die offizielle Hymne seiner Heimat, indem er dem „Donauwalzer“ Joseph Haydns Melodie zu „Gott erhalte“ gegenüberstellte. Carl Michael Ziehrer komponierte hingegen mit „Wiener Bürger“ einen hinreißenden Tanzwalzer par excellence – er hatte damit laut Berichten mehr Erfolg und wurde vom Publikum begeisterter als „Walzerkönig“ akklamiert.
Die zwei letzten Programmpunkte des ersten Teiles nehmen auf „das“ sportliche Ereignis des Jahres 2012 Bezug, die Olympischen Spiele in London. Die Albion-Polka war dem Mann der englischen Königin Victoria gewidmet und wurde 1851 im Palais Coburg in Wien uraufgeführt und um auch einen sportlichen Titel dabeizuhaben die Jokey-Polka von Josef Strauß.
Der zweite Teil ist dem zweihundertjährigen Bestehen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien gewidmet. Am 15. Jänner 1870, neun Tage nach der feierlichen Eröffnung des Hauses, lud die Gesellschaft zu einem Ball, für den Josef Strauß die Polka française Künstler-Gruß und Johann Strauß den Walzer Freuet euch des Lebens komponierten. Die Aufführung dieser beiden Stücke ist eine Hommage an das zweihundertjährige Wirken dieser für die Musikgeschichte so bedeutungsvollen Institution.
Ein wenig wird auch die aktuelle Politik gestreift: am 1. Jänner 2012 übernimmt Dänemark den Vorsitz im Rat der europäischen Union, und aus diesem Grund wird (erstmals im Neujahrskonzert) der Copenhagener Eisenbahn-Dampf Galopp von Hans Christian Lumbye gespielt, jenem dänischen Komponisten, der – inspiriert durch Josef Lanner und Johann Strauß Vater – mit seinem Orchester derartige Erfolge feierte, dass er der „Strauß des Nordens“ genannt wurde.
Die nächsten sieben Werke stehen in Zusammenhang mit der Biographie von Mariss Jansons, der 1943 in Riga geboren wurde, in Leningrad und Wien studierte, 1992 bei den Wiener Philharmonikern debütierte und in St. Petersburg beheimatet ist. Bei Josef Strauß’ Polka Feuerfest betätigt er sich als Schlagwerker am Amboß. Die Carmen-Quadrille von Eduard Strauß erinnert daran, dass er 2010 an der Wiener Staatsoper die Aufführung von Georges Bizets Carmen aus gesundheitlichen Gründen absagen musste. Ein kleines Stückchen Carmen wird nun von Mariss Jansons dirigiert zu hören sein.
Die Pizzicato-Polka, der Persische Marsch und Brennende Liebe beziehen sich auf den langjährigen Aufenthalt der Brüder Strauß St. Petersburg. Die beiden zentralen Werke dieses „Mariss Jansons/St. Petersburg-Blocks“ stammen indes von jenem Komponisten, der sich wie kein anderer der großen Symphoniker mit dem Walzer, das ist Peter Iljitsch Tschaikowsky – mit „Panorama“ und Walzer aus „Dornröschen“ zum ersten Mal auf dem Programm des Neujahrskonzerts.
Bereits zum zwölften Mal beim Neujahrskonzert kommt einer der größten Walzer aller Zeiten – „Delirien“ von Josef Strauß – zur Aufführung. Unter Donner und Blitz und Tik-Tak, zwei der brillantesten Schnellpolkas von Johann Strauß, werden den Abschluß des „offiziellen“ Programms bzw. den Auftakt des Zugabenteils des Neujahrskonzerts 2012 bilden, das entsprechend jahrzehntelanger Tradition von Donauwalzer und Radetzky-Marsch beschlossen wird.

