Im Namen der Republik: Richter und Staatsanwälte erzählen

Text: Hannes Gans
Fotos: Verlag
 
Niemand möchte persönlich damit zu tun haben, und trotzdem haben Gerichte und Prozesse eine magische Anziehungskraft.
 
Der Gerichtskiebitz ist legendär. Neugier, Schadenfreude, unverbindliches Mitstreiten, wohliges Gruseln und mehr, es dürfte ein ganzes Bündel an menschlichen Schwächen sein, das sich zu dieser Faszination verdichtet. Für die größten Fälle sorgt nach wie die Wirklichkeit. Das tatsächliche Bedürfnis nach Sensationen kann dadurch allerdings nicht befriedigt werden. Also hat sich das Fernsehen dieser Materie mit billigen Serien angenommen und Richter, Staatsanwalt und Verteidiger zu scheinbar vertrauten Gästen in unseren Wohnzimmern gemacht.
 
Mit dem Buch „Im Namen der Republik“ zeigt uns die Journalistin Gabriela Hasmann dagegen reale Menschen. In einzelnen – sogar detailliert in ihrem Ablauf beschriebenen – Interviews streicht sie vor allem die persönliche Seite von Richtern und Staatsanwälten hervor. Sie lässt die Damen und Herren in den Talaren selber erzählen, wobei sie Wert drauf legt, dass die betreffenden Personen größtenteils wörtlich zitiert werden, „um Authentizität zu gewährleisten“. Die Antworten auf die Fragen nach Lebenslauf und Berufswahl, Tagesablauf, ob streng oder milde oder ob eine Trennung von Beruf und Freizeit möglich ist, sind durchwegs erstaunlich offen ausgefallen.  
 
Gerade dadurch, durch diesen direkten Draht zu den Helden dieses Buches, entsteht ein komplexes Bild von diesen beiden Berufen und bringt menschliche Farbe ins Grau des Gerichtswesens. Es sind vor allem die kurz geschilderten Fälle im Anschluss an jedes Interview, die sehr viel über die jeweilige Arbeit des Befragten aussagen. Im Bereich des Zivilrechtes sind es eher Anekdoten, über die sich´s schmunzeln lässt. Anders im Strafrecht, vor allem bei Anklagen oder Urteilen, bei denen es um schwere Strafen geht, werden auch erfahrene Richter und Staatsanwälte von Zweifeln geplagt, ob ihre Entscheidung hundertprozentig richtig und gerecht ist – und sind sich nicht zu gut, es zuzugeben.
Als Leser ist man durchaus geneigt, dem Resümee von Gabriele Hasmann zu folgen, wenn sie nach einem Interview begeistert schreibt, „…ich habe einmal mehr den Eindruck, dass unter den meisten Talaren sehr mitfühlende Menschen stecken“ und darf dennoch hoffen, diese Erkenntnis niemals an der eigenen Person erfahren zu müssen.    
 
Gabriele Hasmann: Im Namen der Republik, Richter und Staatsanwälte erzählen. Molden Verlag, Wien-Graz-Klagenfurt 2010, ISBN: 978-3-85485-243-8, Preis: 
 
Titelseite des Buches 
Bilder im Text: Zeichnungen von Honoré Daumier (aus dem Buch „Im Namen der Republik“)