Ein kulinarisches Versprechen in der Ur-Wachau
Text: Petra Pachler
Fotos: Ludwig Vysocan / Tourismus Weissenkirchen
Ruhig fließt sie dahin, die Donau, auf ihrem Weg in die Wachau und lässt nichts von der Wucht erahnen, mit der sie bei Hochwasser in dieser Gegend zuschlägt.
Die Bevölkerung in Weißenkirchen kann ein leidvolles Lied davon singen, wenn die Wassermassen unaufhaltsam in schier grenzenloser Menge bis in die letzte Ecke schwappen. Doch heute, an diesem sonnigen Apriltag, säumen die weißen Knospen der Magnoliensträucher die Uferstraße und auch bei den Marillenbäumen kann es sich nur mehr um wenige Tage handeln, bis die unendlich vielen Knospen aufbrechen und die Landschaft in ein weißes Blütenmeer tauchen. Wenn die Nachttemperaturen nicht mehr unter null Grad gehen, sind die süßen Früchte für die kommende Saison gerettet, wie uns die Einheimischen erzählen.
Wir befinden uns hier in der Urwachau, genauer gesagt in Weißenkirchen, einem Winzerort, der mit seinen 500 ha Rebfläche die größte Weinbaugemeinde in der Region und damit auch das Herz der Wachau ist. Das Unesco Weltkulturerbe ist aber nicht nur ein ideales Ziel für vinophile Genießer sondern lässt auch mit sage und schreibe fünf Haubenlokalen aufhorchen. Aber dazu später.
100% Wachau
Die Ursprünglichkeit ist das Thema in Weißenkirchen, dem sich sieben Betriebe inclusive eines Tourismusservicebetriebes verschrieben haben. Unter dem Begriff 100% Wachau wird ein Paket angeboten, das strengen Richtlinien folgt und beim Original Wachauer Frühstück beginnt und mit dem Dine-around endet - was soviel bedeutet, dass der Gast die Qual der Wahl hat, wo er seine gebuchte Halbpension einnehmen will.
Wir taten dies beim Donauwirt und waren in diesem Haubenlokal bestens beraten, denn die Bärlauchnockerl von Maria Rosenberger als Sockel für den schmackhaften Lachs waren zum Niederknien und wurden mit dem perfekten Wein serviert, der natürlich auch aus der Region kommt. Riesling und grüner Veltliner sind die gefragten Schätze aus den Weingärten. Die mit Blunzengröst‘l gefüllten Teigtascherl auf Krautfleckerl als Vorspeise und die Rindsuppe wie aus Großmutters Suppentopf lassen ahnen, warum sich im Donauwirt die Haube schon seit Jahren hält. Die Speisekarte hier wird von der jeweiligen Erntezeit geschrieben und so wäre eigentlich interessant zu erkunden, was Maria Rosenberger zum nächsten saisonalen Thema, dem Spargel, wohl so alles einfällt. An der Eingangstür reihen sich die wohlverdienten Auszeichnungen für die gute Küche eng aneinander und so findet sich der „Falstaff 2010“ einträchtig neben „A la carte“ und das „AMA Gütesiegel“ und die „Wirtshauskultur“ bürgen für die regionale Qualität. Gemütlich ist es beim Donauwirt und Gutes mit Blick auf die Donau zu genießen eine Idylle. Wachaustraße 47, T: +43 (2715) 2247,
Kräuterkunde
Mit Judith Ottmann brechen wir am nächsten Morgen zu unserer Kräuterwanderung auf, die uns entlang der Weingärten die Hänge hinaufführt und alle paar Schritte überrascht uns die „Kräuterfee“ mit immer neuen Blüten und Blättern, an denen man sonst achtlos vorübergeht. Alle haben sie eine Bedeutung und so bekommen wir auch gleich einen guten Tipp, wenn es mit den Abwehrkräften nicht so gut bestellt ist. Dann nämlich sollte man das Wermutkraut vom Wegesrand pflücken und mit Honig aufkochen. Und auch für die allseits bekannten Gänseblümchen gibt uns Judith einen Geheimtipp: Eingelegt in Weinessig ersetzen diese Kapern und sind ein hervorragenden Würzmittel. Und noch etwas Wichtiges erfahren wir: Beeren, die am Winterende vertrocknet an den Sträuchern hängen, dürfen auf keinen Fall verzehrt werden, weil sie immer alle giftig sind. Denn sonst hätten sich diese schon die Vöglein geschnappt. Also Hände weg von allem, was im Frühjahr noch! an den Sträuchern zu finden ist.
Die Weinbauern
von 100% Wachau haben sich der Qualität verschrieben und schauen auf Spitzenrebsorten in der Region. Der Anbau auf den Terrassenhängen erfordert zwar einen höheren Arbeitsaufwand, der aber durch die besondere Qualität belohnt wird. Den guten Zusammenhalt innerhalb der Winzerschaft betont Karl Stierscheider, der eine Anbaufläche von 10ha hauptsächlich in Lohnarbeit bearbeitet. Das traditionsreiche Unternehmen in 5. Generation setzt auf innovative Arbeit im Weingarten, bei der alle Generationen mit einbezogen werden. Wir verkosten bei Karl unter anderem auch den süffigen Pinot Pink Rose 2009, einen leichten Sommerwein, der so richtig Lust macht auf laue Sommerabende in der Gartenlaube.
Kartäuserhof Wachau, Weingut Karl Stierschneider, Kremserstraße 6,
T: +43 (0) 2715 2374, Mobil: +43 (0) 664 2103311,
Im „Dreimäderlhaus“
des Weingutes Haiminger-Trautsamwieser schwingt die älteste Tochter Birgt das Zepter, wenn die Mama gerade mal nicht da ist, gibt Anweisungen an die beiden jüngeren Schwestern und erzählt schon sehr kompetent über die Weine der Familie. Allem voran über die Falstaff Auszeichnung 2008 für den Federspiel „Cup" Achleithen. In dritter Generation werden die Weine ab Hof verkauft und auch an Durstige wie uns ausgeschenkt, aber nur viermal im Jahr, wie Birgit betont. Schade, es könnte durchaus öfter sein, vor allem auch wegen der besonders schönen Aussicht.
Weißenkirchen 339, Karin Trautsamwieser, Untere Bachgasse 339, T: +43(0)650 831 5725,
Donauhof
Und wo wird gewohnt, in der Urwachau? Wir genossen ein gemütliches Zimmer im Hotel Garni**** Donauhof mit einem überwältigendem Frühstück, bei dem keinerlei Chance besteht, dies innerhalb einiger Tage auch nur annähernd durch zu kosten. Die beiden guten Seelen im Donauhof, Gisela und Marlies Mandl, verkörpern das Typische dieser schönen Region, nämlich die Gastfreundschaft: Rund um die Uhr um das Wohl der Gäste bemüht, weiß Marlies Mandl, übrigens auch Verantwortliche der Arge „100% Wachau, dass ein Nachmittagskaffee auf der sonnengefluteten Terrasse jetzt eigentlich das non plus ultra für uns wäre – und wie recht sie damit hat. Weinverkostungs- und Kulinariktipps inbegriffen. Überboten wird diese Perfektion nur noch von der Marillenmarmelade der Frau Mama: viele Fruchtstücke, wenig Zucker und intensiver Marillengeschmack, als käme die Marmelade direkt von den Bäumen vor den Fensterns des Hotels – was indirekt ja auch der Fall ist.
Wachaustrasse 298,
T.: +43 (0) 2715 / 2353,
Kunst und Kulinarik
Unser Tag findet ein kulinarisches Ende im Club-Restaurant „Zum alten Zechhaus, das seinen Namen zwar aus der Geschichte ableitet, dem Haus aber eigentlich nicht gerecht wird. Eher an einen italienischen Palazzo erinnert das Gewölbe in der Gaststube und dieser Stil setzt sich auch in den fünf Zimmern des kleinen Hotels fort. Jedes ist anders gestaltet, aber alle haben eines gemeinsam: Ein äußerst großzügiges und luxuriöses Bad – manchmal auch mitten im Zimmer. Wohnen ist das Credo des Hauses, anstelle von nur Übernachten. Die Chefin, Frau Roisl, kocht ausnehmend gute traditionelle Küche, während der Hausherr manchmal schon recht eigenwillige Kreationen versucht: Saumaise in Whiskey eingelegt ist seine neueste Idee und kann als baldigst im alten Zechhaus verkostet werden. Die Bratkartoffel als Beilage stehen schon fest, aber über die Getränke wird noch diskutiert – vermutlich wird es ein Bier werden!
Obere Bachgasse 83,
T.: +43 2715 2443, Mobil: +43 664/54 24 487,
Fast hätte ich den Wachaumaler Erich Giese vergessen, der uns durch sein wunderschönes, auf einer Anhöhe gelegenes Haus aus dem Jahre 1370 führt. Erich Giese, der ursprünglich aus dem kaufmännischen Bereich kommt, widmet sich heute hingebungsvoll den vielfältigen Motiven der Wachau, wobei besonders die Bilder der kunstvoll gestalteten Weinberge und Reben ins Auge stechen. Einen guten Wein hat er auch, der Maler, aber das ist eigentlich schon fast selbstverständlich in der Wachau..
Erich Giese, Weißenkirchen 156,
T: +43 (0)2715/2213,
Was definiert nun eigentlich die Arge „100% Wachau“ wirklich? Neben den vortrefflichen Weinen und dem Original Wachauer Frühstück, der Dine-around Möglichkeit ist es die persönliche Betreuung, die im Vordergrund steht und den Aufenthalt in Weißenkirchen zu etwas Besonderem macht. Aber all das steht im Wachau Guide und den gibt’s auch kostenlos für die Gäste.
Wir raten also dringend zu einer Genussreise in die Urwachau nach Weißenkirchen, abseits von Souvenir und Kitsch – am besten sofort, denn dann werden auch die Marillenbäume in voller Blüte stehen. Das nächste Highlight ist der Wachauer Weinfrühling, der am ersten Mai Wochenende stattfindet und bei dem auch erstmals der Smaragd-Wein des Jahrgangs 2009 verkostet werden kann. Und wer uns das gesagt hat? Marlies Mandl natürlich, denn auch das gehört zu ihrem besonderen Gästeservice!
Arge 100% wachau:
Tourismusverband: www.weissenkircheninderwachau.at
