Die Erotik in der Kunst; Reprint eines ehemals verbotenen Buches

Text: Hannes Gans  
Bilder © Edition Winkler-Hermaden


Am 7. Dezember 1910 wurde das Buch „Die Erotik in der Kunst“ vom k. k. Landesgericht Wien mit dem Verbot der Weiterverbreitung belegt. Die im Umlauf befindlichen Exemplare sollten vernichtet werden. Die Obrigkeit war höchst besorgt um die sittliche Reinheit ihrer Unterthanen. Schließlich fanden sich im inkriminierten Werke Darstellungen hocherotischer Natur, unverhüllte Pornografie und die für seinerzeitige Begriffe schamlose Vereinnahmung von Antike und Bibel für sexuelle Sujets. Dass sich zwischen den Bildern ein durchaus ernsthafter Text, eine Kulturgeschichte der erotischen Kunst befindet, wurde vom Hohen Gericht entweder übersehen oder schlicht ignoriert.
Kein Spaß: Der Autor Cary von Karwath hatte sich tatsächlich Mühe gegeben, wie er selbst im Vorwort schreibt, nach den tiefsten und geheimsten Gründen der Kultur zu suchen und die geheimsten Triebfedern zu erfassen, zu erkennen – kurz, das Verborgene zu entschleiern. Dass er damit zumindest in der Illustration dieses Buches seiner Zeit zu weit voraus war, mag wohl darin gelegen sein, dass sich ein solches Werk auch verkaufen musste. Wenn schon Erotik, dann ordentlich! Mit 146 Zeichnungen und Stichen wurde der eher trocken formulierte Text saftig aufgemischt und das Buch vorderhand gar nicht im Handel angeboten, sondern als Privatdruck nur für Subskribenten hergestellt.
Dass es 100 Jahre später frei im Verkauf erscheint, verdanken wir der feinen Edition Winkler-Hermaden, einem Spezialisten im Aufspüren und Nachdrucken bibliophiler Kostbarkeiten.

Cary von Karwath: Die Erotik in der Kunst, 1908 erstmals erschienen im C.W.Stern Verlag, Wien und Leipzig, Reprint 2009 Edition Winkler-Hermaden, ISBN 978-3-9502688-0-5, Preis € 49,90.

 
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