Der Wein gehört zu Wien wie der Stephansdom und die Lipizzaner.
Foto: Wien Tourismus/Beck
Wien betreibt als einzige Hauptstadt der Welt Weinbau mit nennens-werten Produktionsmengen (2,1 Millionen Liter jährlich) innerhalb der Stadt-grenzen. 700 Hektar Rebfläche werden von 230 WinzerInnen bewirtschaftet. Die Weingärten am Kahlenberg, Nussberg und Bisamberg sowie in Mauer prägen das Stadtbild und wirken sich positiv auf das urbane Ökosystem aus.
Sie sind auch beliebte Erholungszonen für die Einheimischen und ihre Gäste. Die Wiener Weinszene hat seit einigen Jahren deutlich an Dynamik gewonnen. Mit Rainer Christ, Michael Edlmoser, Fritz Wieninger und Richard Zahel taten sich 2006 vier der besten Winzer der Stadt zu „WienWein" zusammen. Sie bekennen sich kompromisslos zur Qualität und vertrauen auf das Potenzial der Top-Lagen rund um die Donaumetropole. 2010 sind zwei weitere namhafte Produzenten zur Gruppe gestoßen: das Weingut Cobenzl (Weingut der Stadt Wien) und das Weingut „Mayer am Pfarrplatz".
Was diese Top-Winzer eint, ist zudem die Überzeugung, dass die Zukunft des
Wiener Weins in der Rückbesinnung auf seine traditionellen Stärken liegt.
Besonders angenommen haben sie sich einer Weinspezialität, die seit
Jahrhunderten in den Weingärten der Stadt angebaut wird. Der „Wiener Gemischte
Satz" setzt sich aus bis zu 20 unterschiedlichen Rebsorten zusammen, die - im
Gegensatz zur Cuvée - schon im Weingarten gemeinsam angepflanzt und auch
gemeinsam gepresst und vinifiziert werden. Der Wiener Gemischte Satz wurde 2008 von der internationalen Slow-Food-Stiftung in ihre „Arche des Geschmacks"
aufgenommen und als „Präsidio"-Produkt ausgezeichnet. Im Übrigen haben bereits
eine Anzahl der namhaften Wiener WinzerInnen ihre Weingärten auf bio-dynamische Bewirtschaftung umgestellt.
Auch die Heurigenlokale der Stadt erleben derzeit einen echten Innovationsschub.
Die Heurigen (auch Buschenschanken genannt) sind die typischen Wiener Weinlokale am Rande der Stadt, wo nur Eigenbauwein ausgeschenkt werden darf. Es gibt natürlich immer noch genügend klassische Weinlokale, etwa in Grinzing oder Stammersdorf. Neu sind architektonisch anspruchsvolle Heurige und Weinkeller, Betriebe wie etwa jener von Rainer Christ in Jedlersdorf oder von Stefan Hajszan in Heiligenstadt. Ein ungewöhnlicher neuer Heurigen-Typus ist der „Buschenschank in residence" von Jutta Kalchbrenner. Die Jung-Winzerin mietet sich mehrmals im Jahr in einen 400 Jahre alten Meierhof in Sievering ein und offeriert dort ihre Eigenbauweine (Weinbau Jutta Ambrositsch) und ausgesucht feine Speisen.
