Almrausch im Defereggental

Text: Petra Pachler
Fotos: Ludwig Vysocan

Das Almrosenfest im Defereggental, das Ende Juni gefeiert wird, ist zwar schon vorbei, aber die Wiesen auf den Almen leuchten immer noch in rot um die Wette mit dem strahlend blauen Himmel. Eine besonders schöne Kulisse also während unserer Auffahrt zu den geschichtsträchtigen Jagdhofalmen. Recht früh, um der Tageshitze im Tal auf die Berge zu entfliehen, besteigen wir in Patsch am Ende er Mautstraße (Mautgebühr 5,00 €‘) unsere E-Bikes. Eine Stunde soll die Fahrt über den Almweg, vorbei an der Oberhaus- und Seebachalm,  zu den Jagdhofalmen dauern.  Diese ältesten, bewirtschafteten Almen Österreichs,  liegen auf 2.000 Metern Höhe, eingebettet in das Defereggengebirge  und werden wegen ihrer typischen Anordnung auch „Klein Tibet“ genannt. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase im Umgang mit dem Elektromotor, genießen wir mit dem Speed die kleinen Steigungen, die sich durch Zuschalten des Elektromotors mühelos und fast ein bisschen übermütig bewältigen lassen. Zwar werden wir ab und zu von den „echten“ Mountainbikern ein wenig mitleidig belächelt, doch das ignorieren wir einfach, denn zu groß ist die Freude für uns unsportlichen Städter, einen Berg so mühelos zu bezwingen.

Bergwärts
Vorbei an Hütten und jeder Menge Kühen (dazu später noch Näheres…), gelangen wir zu dieser berühmten Almsiedlung, die von einer kleinen Anhöhe wie in eine Mulde gedrückt wirkt. Wir entdecken einen winzigen Kirchturm, die Südtiroler Fahne und kleine Hütten mit meist geschlossenen Läden. Aber da wir ja wissen, dass eine der Hütten seit letzten Sommer wieder von den südtiroler Besitzern bewirtschaftet wird, fahren wir in das ehemalige Dorf hinunter und tatsächlich taucht vor uns eine Almhütte mit einer großen, sonnengefluteten Terrasse auf. Die junge, fesche Sennerin  Evelyne begrüßt uns in breitem, südtiroler Dialekt und lädt uns gleich einmal zum gemütlichen  „Hinsitzen“ ein. Bildhübsch und resch ist sie, die Evelyne  und die Brettljausn, die sie uns dann bringt, belohnt uns fürs Pedaltreten und verwöhnt uns mit  all den guten Sachen, die Wanderer so auf einer Almhütte erwartet: harte Würstel und Speck, ein richtiges Bauernbrot und würziger Käse  – und der Almrausch, ein Kracherl mit dem zur Alm passenden Namen, rundet das Almglück dann so richtig ab. In der kleinen, aber modernst eingerichteten Almküche inklusive Geschirrspüler köchelt bereits das Wasser für die Kaspressknödel  und während Evelyne die müden Wanderer mit kühlen Getränken versorgt, kommt ihr Vater mit dem Allradler und bringt den Nachschub der Verpflegung.
Der Anton aus (Süd)tirol  ist das und nachdem er  Mengen an  Getränkekisten und frisch geräucherter Würstel für die müden Almwanderer in die Hütte geschleppt hat, erzählt er uns ein wenig über die Geschichte der Jagdhausalmen: Die denkmalgeschützte Jagdhausalm im innersten Defereggental geht auf eine ursprünglich ganzjährig bewohnte Siedlung zurück, die 1212 erstmals erwähnt wird und aus insgesamt 15 Häusern und einer Kapelle besteht. Den Herren von Taufers dienten sie als Jagdrevier  und werden heute von Südtirolern bewirtschaftet. Die Gehzeit von Oberhaus beträgt bei gemütlichem Tempo ungefähr zweieinhalb Stunden und bietet reichlich Natur und Kuh, wer sich für die Variante des E-Bikes entscheidet, hat eine Verleihgebühr von 25,00 € pro Tag einzuplanen. Heute, an diesem strahlenden Sommertag mischt sich Südtiroler und Osttiroler Dialekt auf der Höhe der Berge und gemeinsam genießen die Wanderer die Freiheit der Berge und die  idyllische Almromantik.

Unheimliche Begegnung
Nach dem kurzen Aufstieg zum Pfauenauge, einem Teich, dessen Namen sich von seiner Form eines Pfauenauges ableitet, genießen wir den Blick auf die Hütten von der anderen Seite und auch ein kleiner Strauß Almrosen darf noch gepflückt werden, da diese nicht geschützt sind. Auch dieser Weg führt vorbei am Südtiroler Grauvieh und dem dunklen Tiroler Fleckvieh, das uns neugierig beäugt. Überhaupt sind die Rindviecher, die wir Mädels mit entsprechendem Respekt betrachten, unsere ständigen Begleiter auf der Almtour. Die Kuh, das unbekannte Wesen: Zwar versichern uns alle sehr glaubwürdig, dass die Kühe völlig harmlos wären, aber so recht glauben wollen wir das nicht. Vor alldem deshalb, weil sie sich just immer in dem Augenblick in unsere Richtung bewegen, wenn wir an ihnen vorbei müssen. Also, Zufall kann das doch keiner sein… Vielleicht aber sind es vor allem die Mountainbikes mitten auf der Alm, die die Kühe etwas irritieren und auch ihre Neugierde wecken, sodass sie diesen  intensiven  Kontakt mit uns suchen!

Wir besuchen noch kurz die kleine Kapelle, die mit bunten  Blumen geschmückt ist, auch ein Fotobuch mit nachdenklichen  Zeilen zum Andenken an die Verstorbenen liegt auf und ein Besucherbuch, in das wir uns eintragen – und das alles in der Einöde einer unversperrten Kirche. Das ist wirklich nur auf 2.000 Metern möglich.
Der Weg aus der Abgeschiedenheit der Jagdhausalm zurück ins Tal führt über den  Almfahrweg durch das Patschertal, in dem sich auch der größte zusammenhängende Zirbenwald der Ostalpen befindet.
Vorbei an Kuh und Almen lassen wir unsere Räder bergab flott laufen, entlang der Schwarzach, die durch den Abrieb an den Steinen ein weiches, weißes Wasser führt. Und zwar völlig kalkfrei, was auch die die vielen Glasflächen  in den Zimmern und im Wellnessbereich unseres Hotels erklärt. Sonst wäre ein Sitzbereich aus Glas im Dampfbad nicht möglich, weil  die guten Feen im Hotel dann mit dem Putzen der Kalkränder wohl nicht nachkämen. 

Machers Landhotel****
Und genau dorthin zieht es uns jetzt, nämlich in das persönliche Tepidarium im Badezimmer unseres Hotels Macher. Neben der bunten Blütenpracht auf den Balkonen und der idyllischen Lage an den steilen Hängen hat das Hotel einige Besonderheiten aufzuweisen: Da wäre einmal das oben erwähnte Tepidarium im Bad jeden Zimmers, das ungestörtes Relaxing nach Wandern oder Skifahren bietet.  Weiters bietet Heimo Macher seinen Hotelgästen die Möglichkeit, die abendliche Halbpension immer a la carte, wahlweise im Restaurant oder der Pizzeria, einzunehmen und das zu einem Preis von 50,00€/Person im Sommer und 70,00€/Winter inklusive eines ausgiebigen Frühstücksbuffets mit selbstgemachtem Schwarzbrot und einer Jause, die natürlich auch nur hausgemachte Mehlspeisen auf den Tisch bringt.
Die dritte Besonderheit ist die hauseigene Destillerie, nämlich der „Schnaps-Macher“, wo neben dem regional typischen Zirbenschnaps unter anderem auch den Pregler gebrannt wird, der allerdings nur etwas für die Harten ist und vor allem einer guten Unterlage bedarf. Aber auch die bereitet Heimo Macher mit seinem Team gekonnt zu, denn hier kommt wirklich die gute alte Hausmannkost auf den Tisch, immer begleitet von ein paar launigen Bemerkungen von Oberkellner Max. Die Pizzafans werden sich besonders freuen, denn im Untergeschoß steht ein großer Pizzaofen, dessen typischer Geruch bis zur Terrasse dringt. Da fällt die Entscheidung zwischen Hausmannskost und Bella Italia gar nicht so leicht!
Bei unserer Hausführung zeigt uns Chef Heimo Macher einen kleinen, aber sprichwörtlich feinen Wellnessbereich,  wo wir  unter anderem eben auch das Dampfbad mit den Glasbänken finden und zwei Heubetten, in denen wohlriechend nachgeruht werden kann.
Ein wahrlich „berauschender“ Tag auf den Almen geht im Landhotel Marcher gemütlich und standesgemäß zu Ende.

Das aktuelle Angebot im Hotel Macher****: Montainbiking im Defereggental
(Preise für eine Woche inkl. aller Abgaben, tägliche Anreise möglich)

28.08.2010 – 16.10.2010, € 281,00 pro Person
30.07.2010 – 28.08.2010, € 316,00 pro Person

Macher's Landhotel ****
Unterrotte 82
A-9963 St. Jakob i. Def.
T: +43 4873 63630
E:
info@macher.at
www.machers-landhotel.at

Wo kann man sonst noch wohnen im Defereggental? Zum Beispiel im 80 Jahre alten Haus  der gemütlichen Pension Enzian, das mit Moos gedeckt ist, was für natürliche Dämmung sorgt und alle Zimmer ausschließlich aus Holz und die Fußböden mit einer Untermatte aus Naturfasern bestehen und somit Allergiker geeignet sind. Die Zutaten zum Frühstücksbuffet kommen aus der Region, die Jausn wird oft vom Fleischhauer vis-à-vis geholt, der ausschließlich heimische Produkte anbietet und das Geschirr dazu kommt von der Pensionsvermieterin. Die Zirbenzimmer sind schon ab 23,00 pro Person zu haben.

Pension Enzian
Unterrotte 49
9963 St. Jakob in D.
Tel.: +43 (4873) 5222
E-:
pensionenzian@gmx.at
www.tiscover.at/haus_enzian

Luxuriöser geht es im ****S Hotel& Resort Defereggental zu, wo die gehobene Atmosphäre zu einem außergewöhnlichem Urlaubsambiente beiträgt. Schöne, großzügige Zimmer sorgen dafür, dass auch ein längerer Aufenthalt zum erholsamen Genuss wird, der dann mit einer Ausfahrt mit dem Porsche-Cabriolet  gekrönt wird. Seit 2001 stehen nunmehr 10 Porsche 911 Carrera Cabrios (Baujahr 2010) und ein elegantes Jaguar XK Cabriolet (V8 mit 385) in der Garage des Hotels und warten darauf, von ihren Liebhabern über die schönsten Panoramastraßen der Umgebung gefahren zu werden und ab einem Aufenthalt von vier Nächten ist dies auch kostenlos möglich!  Bei einem Preis ab 92,00 € pro Person im Sommer und 126,00 € im Winter ist das doch ein leistbares Vergnügen, oder?

****S Hotel & Resort Defereggental
Bruggen 84 
9962 St. Veit i.D. 
T:+43 4879-6644-0 
E:info@hotel-defereggental.com
www.hotel-defereggental.com

Das Schwesternhotel ****S Dolomitengolf &Resort mit seiner idyllischen Lage mitten in der Natur mit Blick auf die Lienzer Dolomiten besticht mit hellen, freundlichen Zimmern und sehr großen Bädern. „Vom Bett auf den Golfpkatz“ ist hier die Devise und wenn der Direktor des Hauses um 6 Uhr früh schnell vor Arbeitsbeginn eine Runde golfen geht, trifft er am Platz bereits die ersten Gäste. Der Massagebereich des Hotels hat sich mit seinen exzellenten Masseuren bereits einen festen Platz im Tagesablauf der Gäste gesichert.

****S Hotel & Resort Dolomitengolf 
Am Golfplatz 1 
9900 Lavant 
T:+43 4852-61122 
E:info@hotel-dolomitengolf.com
www.hotel-dolomitengolf.com

Beide Hotels sind im Besitz der Familie Hamacher aus Köln, die das Defereggental als Urlaubsort entdeckte und dann 1994 zuerst das Hotel Defereggental eröffnete, dem wenige Jahre später das Golfhotel folgte. Ursprünglich konzipiert als kleines Hotel mit 80 Betten wurde das Dolomitengolf nun bereits auf die doppelte Größe erweitert.

Das nächste aktuelle Veranstaltungs-Highlight im Defereggental ist das Erzählfestival „Osttiroler Naturgeschichten“ vom 31. 7. Bis 6.8., in dessen Mittelunkt  die Wiederbelebung alter Mythen und Sagen, die Begegnung mit der Natur und der Kontakt mit Künstlern aus verschiedenen Bereichen. Buchen-hinfahren-zuhören: Und das Defereggental wird für jeden Besucher lebendig!

Tourismusinformation St. Jakob
Unterrotte 44
9963 St. Jakob im Defereggental
T: +43 (0)4873/6360
E:
dereggental@osttirol.com
www.defereggental.com